Schließen
Abos & Hefte
Simon Hauschild 2x45 / privat

"Ich werde Fußballprofi"

Simon Hauschildt "Ich werde Fußballprofi"

Simon (18) hat ein ambitioniertes Ziel. Seinen Weg in den Profifußball begleitet er auf TikTok. Wie er sich motiviert und welche Tipp er für junge Spieler hat, verrät er hier.

Simon Hauschildt kennen knapp elftausend Follower bei TikTok unter dem Namen @simonallthewayup. Vor etwa einem Jahr hat der 18-jährige Bonner angefangen, sein Training und seinen Fußball-Alltag auf der Plattform zu zeigen. Sein Traum: Fußballprofi werden. Ohne Nachwuchsleistungszentrum, nur durchs Hochspielen in Vereinen. Aktuell kickt er in der Bezirksliga NRW. Woher seine Motivation kommt und was er für seinen Traum tut, das lest ihr im Interview.

@simonallthewayup Arbeite gerade viel mit Glaubenssätzen und rede während ich mich dehne oder ausrolle positiv auf mich und mein Gewissen ein. Kann ich nur empfehlen! #allthewayup #roadtopro #mindset #positivity ♬ talk with your fingers - 🦋

Simon, fangen wir mal vorne an: Wie bist du zum Fußball gekommen?

Meine Fußballkarriere ist nicht so typisch gelaufen wie bei anderen. Ich habe erst mit 13 angefangen Fußball zu spielen. Davor war ich NRW-Landesmeister im Fechten. Mit Freunden habe ich aber schon immer gerne gekickt und bin dann in meinen ersten Verein, Rot-Weiß Lessenich, eingetreten. Da wurde mir schon gesagt: „Dafür, dass du noch nie im Verein gespielt hast, kannst du ganz gut kicken.“ Dann ging es relativ schnell in die U17 Bezirksliga, wo ich das erste Mal gemerkt habe, was Leistungsfußball ist.

Wie ging es von dort weiter?

Ich wollte dann den nächsten Step machen und habe mich auf die Suche nach einem Verein gemacht, der in der Mittelrheinliga spielt. Das ist die Liga unter der U17-Bundesliga. Da haben dann schon einige aus meinem Bekanntenkreis gesagt, dass ich das wahrscheinlich nicht schaffen werde. Aber genau das hat mich angespornt und letztlich bin ich dann mit dem SV Bergisch Gladbach sogar bei einem Verein gelandet, der oben in der Mittelrheinliga mitgespielt hat.

Von Bergisch Gladbach bist du dann zum SSV Bornheim gegangen und hast das Team als Kapitän erfolgreich durch die Relegation in der Mittelrheinliga geführt. Jetzt spielst du im Herrenbereich bei Hertha Rheidt in der Bezirksliga. Wo genau möchtest du mal hin?

Mein Ziel ist es im Profifußball Fuß zu fassen. Ich möchte das Limit sehen, das ich im Fußball habe – unabhängig davon, in welcher Liga oder in welchem Land das sein wird. Dann kann ich sagen, ich habe alles gegeben und kann glücklich von dieser Erde gehen.

Das nächste Ziel auf dem Weg dahin ist es, mit Hertha oben in der Liga mitzuspielen und im Idealfall in die Landesliga aufzusteigen. Auch ich persönlich möchte mich weiterentwickeln und im Herrenfußball weiter Fuß fassen.

Du gehst den Weg über die Vereine, viele andere junge Spieler kommen über die Nachwuchsleistungszentren in den Profifußball – kam das für dich mal in Frage?

Tatsächlich schon. Nach meiner Mittelrheinliga-Saison bei Bornheim habe ich mir gesagt: „Warum nicht mal schauen, was für die U19-Bundesliga geht.“ Ich habe mir dann ein Probetraining bei Preußen Münster besorgt, die gerade ein Leistungszentrum aufbauen. Ich habe damals ein gutes Training abgeliefert und mir wurde zurückgespielt, dass das Potential da ist. Am Ende hat es aber nicht geklappt. Zum einen, weil die Entfernung zu groß war und ich nach dem Abi dort hätte hinziehen müssen und Münster als Regionalligist jetzt nicht das Geld hat, eine Wohnung o.ä. zu finanzieren. Und zusätzlich wollte Münster dann doch eher Talente aus der eigenen Jugend halten.

Simon Hauschild
Privat
Hat ein ambitioniertes Ziel, für das er viel tut: Außenverteidiger Simon Hauschildt im Trikot von Hertha Rheidt.

Wie sieht ein typischer Trainingstag bei dir aus?

Gegen sechs klingelt mein Wecker. Ich mache dann meistens erst einmal was für mich selbst: Ziele aufschreiben, Mobility-Routine, Meditation. Ich habe gemerkt, dass das einen mega Effekt auf mich hat und ich so viel positiver in den Tag starte. Dann mache ich mir ein kleines Frühstück, bevor ich ins Fitnessstudio gehe.

Dort bleibe ich dann bis ca. 8:00 Uhr und gehe entweder von dort noch einmal schnell nach Hause oder direkt zur Arbeit. Momentan mache ich ein Praktikum bei einem Anbieter für Leistungsdiagnostik, Reha- und Gesundheitssport. Dort habe ich gegen Mittag dann schon wieder Feierabend und habe dann vergleichsweise viel Zeit, die ich oft für Social Media nutze.

Das Mannschaftstraining fängt dann um 19:00 Uhr an. Meist bin ich eine Stunde da und arbeite früher mit einem Mannschaftskollegen an individuellen Details. Gegen 22:30 Uhr bin ich dann wieder zu Hause und komme dann auf meine 7,5 Stunden Schlaf.

Hast du das Gefühl, dass du viel opfern musst für deinen Traum vom Profifußball?

Ich weiß, dass der Weg, den ich gehe, nicht der ist, den viele Jugendliche in meinem Alter gehen. Die gehen vielleicht auf Partys, haben andere Interessen. Aber das ist für mich kein Thema. Ich bin kein Partytyp und ich trinke keinen Alkohol. Das ist nicht meine Welt.

Auch wenn es von außen so aussieht, habe ich nicht das Gefühl, dass ich etwas opfern muss. Den Gedanken: „Ich könnte meine Zeit ja jetzt auch anders nutzen,“ den gibt es gar nicht. Für mich ist das, was ich mache, die beste Möglichkeit die Zeit zu verbringen. Zu trainieren, an mir zu arbeiten, besser zu werden – das erfüllt mich.

Ausschnitte aus deinem Leben kann man auf Social Media auf deinem Profil @simonallthewayup sehen. Hilft die Social-Media-Präsenz auf deinem Weg zum Profi? Oder steht dir der Aufwand oder die Aufmerksamkeit manchmal auch im Weg?

Meine Reichweite auf Social Media ist aktuell natürlich noch vergleichsweise klein. Aber ich schaue sehr positiv darauf. Durch Social Media konnte ich sehr viele Kontakte knüpfen. Zum Beispiel ist ein ehemaliger Mitspieler von mir wieder auf mich aufmerksam geworden, durch den ich dann die Chance bekommen habe, eine individuelle Vorbereitung mit mehreren U19-Bundesligaspielern zu spielen. Und vor ein paar Monaten habe ich mit ShinGuard meine allererste Kooperation durchgeführt. Solche Beispiele zeigen mir, dass es sehr cool ist, den Weg zu teilen, den ich selber gehe.

Aber natürlich gibt es auch immer wieder negative Punkte. Dadurch, dass ich zumindest ein bisschen in der Öffentlichkeit stehe, biete ich mehr Angriffsfläche. Zum Beispiel werden von Zuschauern der Gegner öfter mal Dinge beim Spiel reingerufen wie „Das ist doch hier der Internetstar“, „Du denkst auch du bist schon Fußballprofi“ usw. Glücklicherweise kann ich damit relativ cool umgehen. Im Endeffekt bestärkt es mich sogar, denn es zeigt mir, dass ich eigentlich sehr viel richtig mache. Wenn gezielt gegen mich geschossen wird, damit ich eine schlechte Leistung bringe, heißt das ja, dass ich sonst eine ziemlich gute Leistung bringe.

Wer sind deine fußballerischen Vorbilder?

Das sind auf jeden Fall Trent Alexander-Arnold von Liverpool und João Cancelo von Manchester City, beides herausragende Außenverteidiger. Und dann noch Niklas-Wilson Sommer von Walddorf Mannheim. Zu ihm schaue ich auf, weil er im Prinzip genau den Weg geht, den ich gehen will: Als Profi gleichzeitig viel für Social Media zu machen.

Wenn du auf deine bisherige Karriere zurückblickst, welche Tipps kannst du jungen Spielern mitgeben, die auch den Traum haben, Profifußballer zu werden?

Ich habe 4 Tipps mitgebracht:

1. An den Basics arbeiten: Das hat meiner Meinung nach den größten Einfluss auf die Entwicklung als Fußballer. Früher habe ich immer die Sachen trainiert, die cool aussehen: Flanken, Abschlüsse, usw. Aber am Ende kommt es vielmehr darauf an, dass du einen sauberen ersten Kontakt hast, ein sauberes Passpiel hast und dich gut vororientierst.

2. In kleinen Spielformen spielen: Immer wenn ich Zeit habe, fahre ich nach Köln zum Straßenkicker Court von Lukas Podolski. Da sind eigentlich immer junge Spieler und da wird dann fünf gegen fünf auf einem engen Kunstrasenplatz auf Minitore gespielt. Sowas bringt einen mega weiter, weil man da alles drinhat: Zweikämpfe, eins gegen eins, erster Kontakt, Abschlüsse.

3. An der Mentalität arbeiten: Der entschiedenste Faktor auf dem Weg zum Erfolg ist der Kopf. Denn es werden immer schwierige Phasen kommen und dann braucht man die richtige Einstellung, um weiterzukommen. Die eigene Mentalität ist etwas, das man die aufhören sollte zu trainieren.

4. Nur auf die eigene Meinung vertrauen: Wenn du Fußballprofi werden willst, werden immer andere Leute eine Meinung über dich haben. Es wird viel über dich gesprochen werden, auch so, dass du es nicht mitbekommst. Aber im Endeffekt ist die einzige Meinung, die zählt, deine eigene. Wenn du davon überzeugt bist, etwas erreichen zu können, dann sollte dir egal sein, was andere über dich denken. Mir hat zumindest mein Weg bisher gezeigt, wie viel man schaffen kann. Solange man dranbleibt und an sich glaubt, kann man Vieles erreichen.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Simon und wünschen ihm viel Erfolg auf seinem Weg. Wer Simon weiter verfolgen will, sollte ihm auf TikTok oder Instagram folgen.

Zur Startseite
Nachspielzeit Nachspielzeit Fußball-WM in Katar 2022 6 Gründe, JETZT Amateurfußball statt der WM zu gucken

Gründe, warum du JETZT den Club um die Ecke supporten solltest.