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Fragen zum Elfmerterschießen IMAGO / Picture Point

7 Erkenntnisse, die dich zum besseren Elfer-Schützen machen

Bessere Elfmeter schießen 7 Erkenntnisse aus Studien, die dich zum besseren Elfer-Schützen machen

Rechts, links oder doch mittig? Lass dich von den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft für perfekte Elfmeter überraschen!

Kaum eine Situation im Fußball elektrisiert Spieler und Fans gleichermaßen wie ein Elfmeter. Dieses direkte Duell Mann gegen Mann, der riesige Druck, der auf dem Schützen lastet, der Torwart, der eigentlich nur gewinnen kann: All das macht diese an sich simple Standardsituation so besonders. So prickelnd.

In den letzten 30 Jahren haben mehr als 130 wissenschaftliche Studien versucht, Faktoren zu identifizieren, die die Erfolgswahrscheinlichkeit beeinflussen können. Diese Erkenntnisse haben Daniel Memmert und Benjamin Noël von der Deutschen Sporthochschule Köln in ihrem Buch „Elfmeter: Die Psychologie des Strafstoßes“ zusammengefasst. Hier ist ein Auszug:

1. Spielt der Anlaufwinkel beim Elfmeter eine Rolle?

Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Torhüter tatsächlich durch den Winkel, mit dem der Schütze anläuft, beeinflussen lassen. Die Antizipation der Keeper war am besten für mittlere Anlaufwinkel (20 und 30 Grad) und schlechter, wenn der Anlaufwinkel extrem klein oder groß (0 bzw. 50 Grad) war. Sich auf den Anlauf des Schützen zu konzentrieren und daraus abzuleiten, wohin dieser schießt, birgt für den Keeper aber natürlich auch Risiken.

Denn der Schütze kann seinen Anlauf durchaus ja auch bewusst als Täuschungsmanöver nutzen und dann ganz gezielt in eine andere Ecke schießen. Hilfreicher für den Torwart sind daher neben der Beobachtung des Anlaufwinkels weitere Informationen, etwa Scouting-Ergebnisse über das übliche Vorgehen und die bevorzugte Ecke des antretenden Schützen.

2. Darf der Gefoulte selbst schießen?

Jedes Mal geht ein Raunen durch das Publikum, wenn ein gefoulter Spieler selbst zumStrafstoß antritt. Denn jeder hat doch schon mal von dem Mythos gehört, dass derGefoulte häufiger verschießt. Die vermeintlichen Gründe hierfür: Der Spieler könntenoch leicht angeschlagen sein oder sich innerlich darüber aufregen, dass er überhauptgefoult und ihm somit die Chance auf ein Tor genommen wurde. Allerdings: Zahlen, die dasbelegen, gibt es nicht.

Im Gegenteil: Große Datenbank-Analysen (ausgewertet wurdenbeispielsweise alle Elfmeter von 1993 bis 2005 in der 1. Fußball-Bundesliga) zeigen, dass es keine wesentlichen Unterschiede gibt, ob der Gefoulte schießt oder ein anderer. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Elfer reingeht, wenn der Gefoulte schießt, liegt demnach bei 74 Prozent, ansonsten bei72 Prozent – und die 2 Prozent Unterschied sind aus statistischer und praktischer Sicht zu vernachlässigen, weil zufällige Abweichungen berücksichtigt werden müssen. Heißt für die Zukunft: Wenn du selbst gefoult wirst und dich trotzdem sicher fühlst, tritt an, und mach ihn rein.

3. Je höher man zielt, desto höher die Erfolgsquote?

Fragen und Tipps zum Elfmeterschießen
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Wenn der Ball genau im Knick landet und dabei idealerweise noch leicht die Unterkante der Latte küsst, spricht man wohl vom perfekt geschossenen Elfmeter. Aber natürlich erhöht sich das Risiko eines Fehlschusses auch, je mehr der Schütze versucht, hoch und platziert zu schießen. Oder? Eine Analyse von 34 Elfmeterschießen bei großen Turnieren zeigt auf der einen Seite, dass kein nach oben geschossener Elfmeter gehalten wurde, allerdings ging in etwa jeder vierte Schuss an die Latte oder sogar über das Tor (siehe Diagramm).

Das ist ungefähr dieselbe Quote an verschossenen Elfern wie bei flach geschossenen Versuchen. Was sich unterscheidet, ist der Grund für den Fehlversuch. Hoch angesetzte Schüsse gehen eher vorbei oder an die Latte, die flachen Schüsse werden häufiger gehalten. Heißt: Wer sich unabhängig vom Torhüter machen will und sehr genau zielen kann, sollte sein Glück hoch versuchen. Wer aber eh den Torwart ausguckt, sollte bei flachen Schüssen bleiben.

4. Soll der Torhüter versuchen „große zu wirken“?

Viele Keeper strecken die Arme nach oben und hüpfen zusätzlich noch auf und ab, um größer zu wirken und so den Torschützen zu beeinflussen. Macht das Sinn? Ja, fanden Forscher der VU Amsterdam heraus. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zeigen, dass die wahrgenommeneGröße eines Torhüters das Verhalten des Schützen beeinflusst. Er nimmt den Torhüter bewusster wahr, wird abgelenkt, konzentriert sich dadurch vielleicht nicht mehr hundertprozentig auf sich.

Und Schützen zielen, so die Studie, tendenziell weiter von Torhütern weg, wenn ihnen Keepergegenüberstehen, die aufgrund ihrer Armhaltung größer wirken – und dadurch erhöht sich für den Schützen natürlich das Risiko, an den Pfosten oder vorbeizuschießen. Fazit: Für die Männer im Kasten scheint es tatsächlich Sinn zu machen, größer oder aber auch kleiner zu wirken, um die Schützen zu beeinflussen und ihr Verhalten und so die Schussrichtung vorhersehbarer werden zu lassen.

5. Sollte sich der Schütze Zeit für den Schuss nehmen?

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Von den Spielern, die quasi aus dem Stand möglichst schnell schießen, hin zu den Akteuren, die gefühlt 280 Tippelschritte machen, bevor sie schießen (Simone Zaza 2016 lässt grüßen): Wochenende für Wochenende sind auf den Fußballplätzen die unterschiedlichsten Spielertypenzu beobachten. Doch was ist sinnvoller, gibt es sie, die perfekte Anlaufzeit?

Das Diagramm unten weist schon auf die Antwort hin: Beide Taktiken können funktionieren, es hängt vielmehr von vielen weiteren, individuellen Faktoren ab, ob man trifft oder nicht. Wie sicher fühle ich mich, wie fokussiert bin ich, wie sehr glaube ich an mich und meine Stärken – das und noch viel, viel mehr spielt (neben all den spannenden wissenschaftlichen Erkenntnissen) eine entscheidende Rolle.

6. Sollte der Schütze dorthin gucken, wo er hinschießt?

Eine weitere spannende, viel diskutierte Frage – deren Beantwortung von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird. Zum einen natürlich durch die Strategie des Schützen. Will er den Torwart ausgucken, weiß er im Grunde selbst ja sehr lange nicht, wohin er schießt, und kanndementsprechend auch gar nicht eine Ecke anvisieren. Anders sieht es aus, wenn der Schütze genau weiß, wohin er schießen will. Und dann macht es nach wissenschaftlichen Erkenntnissen durchaus Sinn, sein Ziel anzuvisieren.

Denn Studien nicht nur im Fußball (auch beim Basketball oder Golf) deuten darauf hin, dass die Genauigkeit eines Schusses, Wurfs oder Schlags zunimmt, wenn man kurz vor der Ausführung ausgiebig in Richtung des Ziels schaut. Besonders tricky beim Fußball ist natürlich, dass man dadurch dem Torhüter im Zweifel einen Hinweis gibt, wohin man schießt – und man dann eben ganz genau ins Eck zielen muss, damit man ihm so gut wie keine Chance lässt.

7. Mittig oder nicht? Wo soll der Torhüter stehen?

Laut wissenschaftlichen Auswertungen steht der Torwart bei 93 Prozent aller Elfmeter nicht in der Tormitte. Das mag natürlich auch daran liegen, dass die exakte Mitte gar nicht so leicht zu finden ist, es macht aber auch erwiesenermaßen Sinn, sich als Keeper nicht in die Mitte zu stellen. Denn Studien fanden heraus, dass schon eine kleine, vom Schützen nicht bewusst wahrgenommene Verschiebung (circa 10 Zentimeter) nach links oder rechts dazu führt, dass Fußball-Anfänger in 3 von 4 Fällen (75 Prozent) in die vermeintlich offen angebotene Ecke schießen.

Steigt das fußballerische Niveau, steigt dieser Wert sogar auf 80 Prozent. Daher empfiehlt es sich den Studien zufolge, sich als Torhüter knapp 10 Zentimeter von der Mitte aus auf eine Seite des Tores zu stellen. So bietest du dem Schützen (für ihn unbewusst) eine Ecke an und erhöhst deine Chance, mit einem recht zeitigen Sprung in die vermeintlich freie Ecke den Ball zu halten.

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