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Risiko Kopfball IMAGO / foto2press

Wie gefährlich sind Kopfbälle im Fußball?

Wie gefährlich sind Kopfbälle? Darum ist jeder Kopfball ein Risiko

Die Diskussion über ein Kopfballverbot brandet immer wieder mal auf: Nun belegen Studien auch ein konkretes Risiko für Langzeitschäden. Das sollte jeder Fußballer übers Köpfen wissen.

Als Gerd Müller vor etwa einem Jahr starb, ging er nicht plötzlich – sein Bewusstsein schwand schon länger dahin. Durch Demenz. Da kam so manchem die Frage: Hatte seine lange Fußballkarriere damit zu tun? Welches Risiko ging zum Beispiel von seinen Kopfbällen beim Fußball aus?

Welche Diskussion gibt es um Kopfbälle im Fußball?

Für die meisten gehören Kopfbälle zum Fußball dazu, wie der Curryketchup zur Wurst. Für andere stellen sie ein hohes – und vor allem vermeidbares – Risiko dar. International stellten Wissenschaftler vor ein paar Jahren erste Nachforschungen an, nachdem vermehrte Gehirnschäden, Demenzerkrankungen und sogar Suizide bei Fußball- und Footballspielern festgestellt wurden.

2012 und 2017 hat die Arbeitsgruppe cBRAIN und Dozenten der Harvard Medical School in Boston eine Studie mit Fußballspielern und Schwimmern durchgeführt und festgestellt, dass sich die kognitive Leistung der jungen Spieler nicht verbesserte – ganz im Gegensatz zu den Schwimmern.

Welches Risiko geht von Kopfbällen aus?

In einer Studie der University of Glasgow wurde 2021 der Zusammenhang von Kopfbällen und Demenz untersucht. 8000 ehemalige schottische Fußballer wurden mit der „normalen“ Population verglichen. Das Ergebnis: Torwarte hatten etwa dasselbe Risiko, an Demenz und anderen neurodegenerativen Erkrankungen (bedingt durch den Rück- und Untergang von Nervenzellen) zu erkranken, wie Menschen, die kein Fußball spielten. Bei Feldspielern, die viel öfter ihren Kopf hinhielten, stellten Forscher dann tatsächlich ein erhöhtes Demenzrisiko fest – etwa viermal so hoch wie erwartet.

Was passiert denn mit dem Gehirn, wenn ein Fußball auf den Kopf trifft?

Laut Studien haben Kopfbälle eine Einwirkung von 20-40 G auf den Kopf – zum Vergleich: Auf einer Achterbahn ist der menschliche Körper 8 G ausgesetzt, 20 G sind vergleichbar mit einem Auto, das mit 50 km/h auf eine Wand prallt.

Neurologe Andreas Gonschorek, Leiter der neurotraumatischen Abteilung im BG Klinikum Hamburg, erklärt in der MDR-Doku „Kopfbälle – gefährlich oder unverzichtbar im Fußball?“, was beim Köpfen genau pssiert. "Das Gehirn ist durch den Schädel vor Krafteinwirkung geschützt. Aber es schwimmt dort in einer Flüssigkeit, dem Liquor." Bei starker Einwirkung von außen, schwankt das Gehirn hin und her. Die Nervenfasern auf der einen Seite werden gezerrt, die auf der anderen Seite gestaucht. Das ist „auf den ersten Schlag“ nicht gefährlich – bis es sich häuft. "Dann können Funktionsschäden im Gehirn entstehen", so Gonschorek.

Was sagt der DFB zur Kopfball-Diskussion?

Angesichts dieser belegten und vermeidbaren Risiken, wird immer wieder Handeln von den Verbänden gefordert. Der DFB möchte zumindest beim Kinder- und Jugendfußball eine altersgerechte Kopfballregelungen einführen. Das heißt: Nicht jeden Tag Kopfballtraining üben, die Größe und das Gewicht der Bälle an das Alter der Spieler anpassen und das Kopfballtraining nicht aus der harten Flanke, sondern aus einem Wurf heraus üben.

Auch dem Hamburger Neurologen Gonschorek geht es besonders darum, dass der DFB dieses Thema progressiv angeht und es nicht länger verschweigt. In anderen Nationen, etwa England, ist man hier schon weiter: Hier ist das Kopfballtraining für Kinder unter 12 Jahren verboten.

5 Tipps fürs Kopfballtraining

Studien belegen, dass du die Krafteinwirkung auf dein Gehirn vermindern kannst, wenn du deine Nacken- und Halsmuskulatur bewusst anspannst und stärkst. „Köpfen mit Köpfchen, darum geht es uns“, sagte Markus Hirte, Talentförderungsleiter beim DFB. Das solltest du beachten:

  1. Den Ball so lang wie möglich anvisieren – nicht zu früh die Augen schließen, sonst triffst Du den Ball falsch oder gar nicht
  2. Die Ganzkörperspannung bewahren, vor allem im Nacken, denn die Bewegung kommt hauptsächlich aus dem Nacken und Kopf
  3. Die Stirn hinhalten, um den Ball dort mittig zu treffen – dabei den Körper explosionsartig nach vorne oben bewegen
  4. Dem Ball hinterherschauen
  5. Empfehlenswert sind hier nicht mehr als zehn Übungen pro Trainingseinheit

Fazit: Ein, zwei Kopfbälle sind nicht das, was dem Gehirn schaden. Sondern die ständigen Wiederholungen der gewaltigen Krafteinwirkungen auf das Gehirn – und die damit verbundenen langfristigen Auswirkungen, wie ein stark erhöhtes Risko, an Demenz zu erkranken. Vor allem im Kinder- und Jugendfußball soll sich Kopfballtraining verändern.

Quellen

MDR: Kopfbälle – gefährlich oder unverzichtbar im Fußball?
DFB.de: Nachwuchs und Kopfball: DFB beschließt altersgemäße Richtlinien (zuletzt aufgerufen am 6.8.2022)
University of Glasgow: Dementia risk in former professional footballers is related to player position and career length (zuletzt aufgerufen am 8.8.22)
NDR: Risiko Kopfbälle: Eine tödliche Gefahr im Fußball? (zuletzt aufgerufen am 8.8.2022)

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